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Geschichte und Entwicklung
Seit Beginn der Menschheitsgeschichte gehört die Beherrschung tiefen Wassers zu den Grundfähigkeiten, die Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Schon in der Urgesellschaft war das Schwimmen ein zwingendes Erfordernis. Das vermutlich älteste Schwimmbild der Welt stammt von 4.000 vor unserer Zeitrechnung. Es sind Felsmalereien, gefunden in einer Höhle des Gilf Kebir in der Libyschen Wüste, die Teil der Sahara ist und die damals – scheinbar kurz nach der Eiszeit – noch keine Wüste war. Die Höhlenbilder wurden erst im Jahr 1933 gefunden, sie zeigen etwa zwanzig Schwimmer. Das vermutlich älteste Hallenbad der Welt wurde in einem indischen Königspalast der Harappakultur etwa 2500 bis 2800 v.u.Z. in Mohenjo Daro gebaut, einer im heutigen Pakistan gefundenen Ruinenstätte. Es war ein etwa 30 mal 60 Meter großes Becken, an dessen beiden Enden Stufen ins Wasser führten. Ob es für öffentliches Schwimmen oder für religiöse Zeremonien benutzt wurde, lässt sich heutzutage nicht mehr feststellen. Jedenfalls fanden sich am Rand kleinere Räume, die zum Umkleiden gedient haben könnten, sowie kleine Wasserbecken, die für Einzelbäder genutzt worden sein könnten. Die Erkenntnis, dass Schwimmen und Baden sowohl soziale Funktionen erfüllt als auch der Körperpflege dient, setzte sich recht schnell durch, und der Bau von Bädern war dieser Erkenntnis gewiss geschuldet. Hinweise auf das Schwimmen finden sich auch im Alten Testament und im jüdischen Talmud. Um 1400 v.u.Z. entstanden etliche Reliefs, die sowohl Kraulschwimmer zeigen als auch Menschen, die sich eher im Stile des heutigen Brustschwimmens bewegen. Griechische und römische Bäder Ähnlich verhielt es sich im antiken Rom. Wettkämpfe im Schwimmen sind nicht überliefert, Schwimmen zu können, war jedoch angesehen. Eine umfangreiche Pflege des Schwimmens fand aber nur im Heer statt, wo die Legionäre auch mit Rüstung schwimmen lernten. Aber einen gigantischen Aufschwung nahmen die Heißbäder, auch als Thermen bekannt. Das erste öffentliche Bad, balnea genannt, eröffnete 305 v.u.Z. Mindestens 170 Badehäuser gab es allein in Rom, und die Zahl großer Thermen betrug 17. Sie wiesen Schwimmbecken bis zu 70 Meter Länge auf und boten bis zu 3000 Besuchern Platz. Möglich waren diese Badetempel durch die Entwicklung von Heißluftheizungen unter den Fußböden und hinter den Wänden, wodurch jeder Raum und jedes Becken auf die gewünschte Temperatur erwärmt werden konnte. Neben den öffentlichen Bädern, die auch für die römische Unterschicht zugänglich waren, gab es für die Oberschicht sehr luxuriöse private Bäder. Der Aufenthalt in den Bädern konnte durchaus einen ganzen Tag dauern. Es begann in der Regel mit einem lauwarmen Bad, einem tepidarium, ihm folgte ein heißes Bad, das caldarium. Daneben gab es auch das laconicum, das waren verschiedene Räume mit trockener Hitze, deren Wärmegrade gesteigert wurden, und es fand sich ein Kaltwasserbecken, das frigidarium. Um den geselligen Aspekt noch stärker zu betonen, gab es auch Bibliotheken, Massageangebote oder Schönheitsbehandlungen. Täglich etwa 750 Millionen Liter Wasser wurden in den Thermen Roms benutzt. Thermen entstanden überall im großen römischen Reich. Hierzulande sind Thermen-Überreste beispielsweise noch in Baden-Baden oder Trier zu sehen. Schon 1811 verhängte das preußische Militär einen Erlass, wonach das Schwimmen zur Grundausbildung zähle. 1817 baute der preußische General Ernst von Pfuel in Berlin die erste deutsche Schwimmschule. Bevor Pfuel in Berlin, genauer: am Oberbaum an der Oberspree, seine Anstalt errichtete, initiierte er ab 1811 in Prag an der Moldau eine Schwimmanstalt, ein Jahr später, 1812, im Prater in Wien. Gemeinsam mit dem Freiherrn Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein plante Pfuel eine Militärreform, die unter anderem vorsah, 30.000 Soldaten im Schwimmen „abzurichten“, wie Pfuel es formulierte. Am 4. August 1817 entstand dann die Pfuelʼsche Badeanstalt an der Oberspree, die noch bis ins 20. Jahrhundert Bestand hatte. Dem Bau der Pfuelʼschen Badeanstalt an der Oberspree 1811 folgte 1818 die Pochhammerʼsche in Berlin, später die von Türkʼsche Anstalt und ein Militärbad in Potsdam. 1832 errichtete der Hallore Andreas Lutze zwischen Bellevue und der Moabiter Brücke eine Schwimm- und Badeanstalt. Doch die Berliner und später auch in anderen deutschen Städten entstehenden Badeanstalten verstanden sich noch nicht als Volksbäder. Sie richteten sich an die männliche deutsche Bürgerjugend, die mittels Schwimmen wehr- und auch sonst tüchtiger gemacht werden sollte. Schwimmbadbau in Europa 1842 wurde in Liverpool die erste öffentliche Wasch- und Badeanstalt gebaut. In ihr befanden sich auch zwei Schwimmbäder. Schon 1844 gab es ein für ganz Großbritannien geltendes Gesetz, das den Bau solcher Bäder regelte, und weil dieses Gesetz nicht den vom Staat gewünschten Bauboom auslöste, erließ London zwei Jahre Später ein Gesetz, das den Städten spezielle Steuern für den Bau solcher Bäder zur Verfügung stellte. Das endlich löste einen Bauboom aus: keine zehn Jahre später, 1854 gab es allein in London bereits 13 öffentliche Bäder. Der Bäderhistoriker Carl Wolff hat in seinem 1808 erschienen Buch die Breite des Aufschwungs beobachtet:“ Im Laufe der Zeit entstanden dann Badeanstalten mit Schwimmbädern von größeren Abmessungen, auch solche, welche nicht unter das Gesetz fielen, und dann die so genannten Gentleman-Klub-Bäder, Aktienunternehmen für Baden, Körperpflege und Geselligkeit.“ Nach britischem Vorbild gab sich Frankreich 1850 ein ähnliches Gesetz, Belgien folgte später, und im österreichischen Wien erhielt das bereits 1804 erbaute Dianabad 1842 eine Schwimmhallte. In Deutschland wurde 1855 die erste Schwimmhalle gebaut: an der Schillingsbrücke in Berlin. Eine für die damalige Zeit sehr vorbildliche Halle wurde 1860 in Magdeburg errichtet, und die Stadt Hannover leistete sich 1867 den Bau von gleich zwei Schwimmhallen. Um die Jahrhundertwende wurde der Bäderbau auch in Deutschland forciert. Zum einen gab es mittlerweile die von Pfarrer Sebastian Kneipp begründete Hydrotherapie, die in eigenen Heilbädern angewendet wurde. Des Weiteren gründeten sich bald auch die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder und andere Vereine für öffentliche Gesundheitspflege. Lassens ich im Jahr 1895 nur 250 irgendwie geartete Schwimmanlagen (das waren oft Flüsse und Weiher) in Deutschland nachweisen, so waren es im Jahr 1905 bereits 2.848 öffentliche Warmbadeanstalten und 232 richtige Schwimmbäder. Dort fanden sich 19.000 Badewannen, 11.000 Brausezellen. Eines der berühmtesten der frühen Bäder ist das zwischen 1897 und 1901 errichtete Müllerʼsche Volksbad in München. Auch heute noch in Betrieb ist beispielsweise in Berlin das Stadtbad Neukölln in der Ganghoferstraße. Diese Badeanstalt wurde zwar erst 1914 gegründet, gehörte aber mit bis zu 10.000 Besuchern täglich zu den größten Bädern Deutschlands. Neben zwei Becken und etlichen Bädern – mittlerweile gibt es u.a. fünf verschiedene Saunen – gehört das Stadtbad Neukölln auch dank seiner Innenausstattung mit Marmor und Travertin zu den schönsten Bädern Deutschlands. Freilich waren die Bäder für die Benutzer oft teuer. Ein sechsmonatiger Schwimmunterricht im Volksbad Berlin-Spandau kostete beispielsweise sechs Mark; für dieses Geld ließen sich damals auch 40 Kilogramm Apfelsinen kaufen. Oder das Augustabad in Berlin wurde, wie etliche andere auch, als Aktiengesellschaft betrieben, was die Preise nach oben gehen ließ. Am Bauboom ändere das nichts, vor allem im Jahr 1912/13 entstanden auch in kleineren Orten wie Düren, Neustadt, Nordhausen, Coburg oder Dessau Schwimmhallen. Die Entwicklung des Schwimmsports wurde begünstigt durch den anwachsenden Bäderbau in Deutschland. Hinzu kommt eine Popularisierung des Sports durch die alle vier Jahre ausgetragenen und immer bedeutender werdenden Olympischen Spiele der Neuzeit, an denen Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg erst 1828 wieder teilnehmen durfte.
30.08.2010, 08:48 von schwimmadmin |
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