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Deutschland
20.04.2010, 16:04 von millgramm
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Spielen im Wasser

Der Bewegungsraum Wasser bietet vielfältige und einmalige Möglichkeiten, Bewegung spielerisch zu gestalten. Im Wasser können Erlebnisse erfahren werden, die an Land nicht vorstellbar oder realisierbar sind. Der Auftrieb, den der Körper im Wasser erfährt, sorgt dafür, Erfahrungen mit der Schwerelosigkeit zu machen. Im Wasser erleben wir Bewegungen in drei Dimensionen, die sonst nur Astronauten in der Schwerelosigkeit des Weltraums vorbehalten sind.

Schon als Baby machen wir im Mutterleib die Erfahrung des Tauchens und Schwimmens in der Fruchtblase. Daher fühlen sich bereits Babys im Wasser sehr wohl und können sehr früh schwimmen. Wasser ermöglicht eine besondere Körpererfahrung. Unser Körper kann im Wasser schweben und wird dabei ganzheitlich von Element Wasser umspült. Über die taktile Wahrnehmung nehmen wir Wasser als Umwelt direkter wahr als Luft an Land. Wir können die Wärme bzw. die Kälte des Wassers intensiver spüren, das das Medium Wasser eine viel höhere Wärmeleitfähigkeit besitzt.

Beim Schwimmen, Spielen oder Tauchen im und unter Wasser können wir weitere Wahrnehmungen machen, die einmalig sind. So ist das Sehen unter Wasser ohne Taucherbrille sehr unscharf, während wir mit Schwimm- oder Taucherbrille Gegenstände deutlicher sehen und diese im Vergleich zum Sehen an Land größer wahrnehmen. Das ermöglicht, die Unterwasserwelt zu erkunden und ihre Faszination zu erleben, z. B. beim Tauchen in tropischen Gewässern.

Das Hören verändert sich ebenfalls auf Grund der höheren Dichte des Wassers. Geräusche und Töne werden direkter und über größere Entfernungen wahrgenommen. Es ist eine attraktive, aber nicht ganz leichte Aufgabe, unter Wasser gesungene Lieder zu erkennen. Vokale Informationen sind allerdings nur schwer bzw. kaum verständlich. Daher haben Taucher zur Kommunikation eine Zeichensprache entwickelt, die neue Mitteilungsmöglichkeiten eröffnet.

Kinder, in jedem Alter, vom Baby über das Kleinkind, Vorschulkind bis hin zum Schulkind, Jugendliche, erwachsene Menschen in allen Altersstufen, auch ältere Menschen, denen durch körperliche Gebrechen das Laufen an Land Schwierigkeiten bereitet, bewegen sich im Wasser leichtfüßig.

Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten können gemeinsam aktiv werden bei Wassergymnastik, Aquajogging, Freizeitschwimmen, Spielen im Wasser usw. Der gesellschaftliche Status und die sozialen Schranken, die u.a. durch Kleidung und andere Statussymbole dokumentiert werden, haben im Wasser keine Wirkung, da sich alle in Badebekleidung bewegen. Im Wasser sind alle gleich!

Behinderte Menschen aller Behinderungsformen können sich im Wasser ohne Hilfsmittel, wie Krücken oder Rollstuhl, selbstständig bewegen. Daher ist das Spielen und Bewegen im Wasser für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten sehr gut geeignet, gemeinsam aktiv zu sein und integrative Erfahrungen zu machen.

Schwimmen und Spielen im Wasser erfreut sich in breiten Bevölkerungsschichten großer Beliebtheit. Empirische Untersuchungen über sportliche Interessen von Jugendlichen belegen, dass das Schwimmen und Spielen im Wasser in der Beliebtheitsskala ganz oben steht.

Dieser hohe Grad an Beliebtheit nimmt allerdings mit zunehmendem Alter ab. Sicher trägt zu diesem Phänomen die Tatsache bei, dass Schwimmen nach der vielfältigen und spielerischen Anfängerausbildung im Schul- und Vereinsschwimmen häufig auf das Bahnenschwimmen eingeschränkt wird. Die vielfältigen Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten, die das Spielen und herumtollen im Wasser in der Freizeit und in offenen Handlungssituationen bietet, sollten auch für den Schwimmunterricht in der Schule erhalten bleiben.

Die Abwendung von einer eher technikbezogenen Auslegung des Begriffs Schwimmen, wonach Schwimmen als Bewegung in einer der vier olympischen Schwimmtechniken auf geradlinigen Bahnen in normierten Becken zu verstehen ist, eröffnet eine Vielfalt von Sinnperspektiven. Schwimmen ist ein vielfältiges Sichbewegen im, am, ins und unter Wasser.

Spaß haben stellt das dominierende Motiv für sportliche Betätigung dar und damit auch für die Sportart Schwimmen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Über Spielformen kann man den eigenen Körper erfahren und seine Bewegungsmöglichkeiten kennen lernen. Schwimmen und spielerische Betätigung im Wasser ermöglichen besondere Körpererfahrungen. Das Medium Wasser mit seinen spezifischen Eigenschaften der Dichte und des dadurch bedingten Drucks, des Auftriebs und der Wärmeleitfähigkeit eröffnet dem Menschen besondere Erfahrungen seiner Körperlichkeit.

Bewegungen im Wasser bieten allen Menschen räumliche Erfahrungen, die z. T. an Land nicht möglich sind. So kann man im Wasser schweben und sich in drei Dimensionen bewegen, beliebig viele Rollbewegungen um alle Achsen machen, Saltobewegungen um die Breitenachse, Schraubenbewegungen um die Körperlängsachse, Kippbewegungen um die Tiefenachse oder sogar kombinierte Bewegungen, wie beim Schraubensalto. Bei Bewegungserfahrungen im, ins und unter Wasser kann auch die Koordinationsfähigkeit geschult werden. Die körperliche Belastung erfährt der Schwimmer beim Schwimmen, Spielen und Trainieren im Wasser sehr direkt. Ermüdung, aber auch Erholung und Entspannung, werden intensiv wahrgenommen.

Für die Entwicklung der Persönlichkeit des jungen Menschen bildet das Erlernen des selbständigen Schwimmens einen sehr bedeutenden Abschnitt. Durch das Schwimmenkönnen hat man sich freigeschwommen von der Beaufsichtigung durch die Erwachsenen. Ein neuer Bewegungsraum kann erobert werden. Da man sich nun einiges mehr zutraut, bedeutet diese Selbstständigkeit gleichzeitig mehr Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Die Vielfalt der Bewegungsmöglichkeiten im Wasser, am Wasser, ins Wasser und unter Wasser mit und ohne Geräte ermöglicht nicht nur vielseitige Bewegungserfahrungen, sondern fördert ebenfalls die Entwicklung von Kreativität, Gestaltungsideen und spielerischer Selbstverwirklichung.

Gesundheit, Fitness, Ausgleich ist ein Motivkomplex, der beim Schwimmen, Spielen und Bewegen im Wasser eine besonders Bedeutung hat. Daher hat die Perspektive Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln beim Bewegungserleben im Wasser einen besonderen Stellenwert. Sie ist verbunden mit emotionalen zuständen wie Wohlbefinden, Angstfreiheit, Entspanntheit, Sicherheit, Spaß. Dabei führen Spaß und Freude, die man beim Spielen und Schwimmen im Wasser entfaltet, auch zu Ausgeglichenheit und zum Abbau innerer Spannungen. Durch Entspannungstraining und Wassergymnastik lassen sich im Wasser Spannungen und Verspannungen gezielt lösen und zu einem allgemeinen Wohlbefinden hinführen. Der Aufenthalt und die Bewegung im Wasser verbessert somit die Befindlichkeit insgesamt und vermittelt ein intensiveres Körpergefühl. Besonders die Bereiche Aquafitness und Aquawellness widmen sich diesen Zielen. Aber auch ein ruhiges Ausdauerschwimmen verbessert die allgemeine Befindlichkeit erheblich.

Schwimmen und Spielen im Wasser kann auch unter der Perspektive Leistung und Leitungsoptimierung betrieben werden. Die Steigerung der Leistungsfähigkeit kann nicht nur über die bekannten Trainingsformen erreicht werden. Es bietet sich auch eine Fülle von kreativen Spielen und spielerischen Übungsformen an.

Viele Situationen im Schwimmen, beim Tauchen oder Springen erzeugen Spannung durch die Unsicherheit des Ausgangs. Daher können viele Bereiche des Schwimmsports mit der Sinngebung Abenteuer, Wagnis und Verantwortung verknüpft werden.

Gerade das Spielen im Wasser bietet eine sportliche Betätigung , die spezifische Sozialerfahrungen ermöglicht. Spiele erleichtern und fördern die Kommunikation und soziale Interaktionen. Beim Schwimmen und Spielen im Wasser sind die Unterschiede zwischen alten und jungen Menschen, zwischen Menschen mit und ohne Behinderung nicht so groß. Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten können miteinander agieren. Daher sind soziale Motive für behinderte Kinder und Jugendliche von besonderer Bedeutung.

Soziale Integration lässt sich durch gemeinsame Aktivitäten in einer Sportgruppe realisierten. Das kann beim Schwimmen in unterschiedlichen Bereichen umgesetzt werden. Denn Schwimmen mit seinen vielfältigen Bewegungsangeboten offeriert reichhaltige Möglichkeiten auch für Menschen, die auf Grund unterschiedlicher Handicaps andere sportliche Tätigkeiten an Land nicht mehr ausüben können.

Besonders die Bereiche Aquafitness, Aquajogging und Schwimmen als Freizeitsport bieten vielfältige Bewegungsformen, welche die Zielsetzung Prävention, Rehabilitation und soziale Integration in die Tat umsetzen.

 

 

30.08.2010, 08:49 von schwimmadmin | 1014 Aufrufe

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